Unsere Kirche

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Baugeschichte rund um den Kirchturm

Im Errichtungsbrief vom 8. Dezember 1736 vertraute der Salzburger Fürsterzbischof Leopold Firmian die neu zu errichtende Mission den Benediktinern als dem ältesten kirchlichen Orden an. Das Missionshaus war der Salzburger Benediktiner-Universität inkorporiert. Der Wirkungsbereich der Missionare erstreckte sich, unbeschadet der jeweiligen pfarrlichen Rechte, auch auf die umliegenden Orte St. Johann, St. Veit, Goldegg, Gastein, Großarl und Wagrain.

Die Pläne für den zwischen 1736 und 1741 errichteten Kirchenbau lieferte ein Ordensgeistlicher der Benediktiner, nämlich der gelehrte Mathematiker, Naturwissenschaftler und Architekt P. BERN(H)ARD STUART OSB (1706 – 1755). Er war Mönch des Regensburger Schottenklosters, Professor an der Salzburger Universität für Experimentalphysik und Architektur und u.a. Baumeister von Schloss Leopoldskron. Die Bauleitung hatte JOHANN KLEBER inne, der möglicherweise auch an der Planerstellung beteiligt war.

Zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariens – dem Patrozinium der Salzburger Universitätskirche – wurde die neu erbaute Schwarzacher Kirche im September 1741 benediziert und am 29. April 1759 durch Erzbischof Sigmund von Schrattenbach feierlich geweiht.

 

Mit der Aufhebung der Salzburger Universität im Jahr 1810 endete auch das Schwarzach Superiorat, das Missionshaus wurde aufgelassen.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten, insbesondere nach dem Dachstuhlbrand von 1826, verfiel die Kirche zusehends.

Das Missionshaus wurde seiner Güter enthoben (1835 Versteigerung des Klosters samt Garten), die Kirche als „überflüssig“ zum Abbruch bestimmt. In dieser kritischen Phase kam 1839 die Rettung mit dem Kauf von Kirche und Kloster durch den Salzburger Erzbischof Friedrich VI. Kardinal Schwarzenberg. Er übergab sie den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul mit dem Ziel, hier eine Kranken- und Versorgungsanstalt für die Erzdiözese anzulegen.

Renovierungen und Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert

Anlässlich einer im Jubiläumsjahr 1859 durchgeführten Renovierung wurde auch ein Fresko mit der Darstellung des Salzbundes und dem Auszug der Lutheraner an der linken Seitenwand überstrichen. 1894 folgte eine gründliche Innenrenovierung. Anstelle des barocken Hochaltars, dessen Altarbild die über die Feinde der Kirche triumphierende Maria Immaculata zeigte, stellte man nun einen Tabernakel-Hochaltar mit einer neuen Muttergottes-Statue auf. Die barocken Seitenaltäre mit den Bildern Christus am Kreuz und hl. Benedikt wurden durch neue Altäre mit Statuen anstelle der Bilder ersetzt; der rechte Altar wurde nun zum Josefsaltar. Weitere Veränderungen brachte die Kirchenrenovierung von 1930 („Strahlenmadonna“ am Hochaltar, Statuen Christkönig und hl. Anna, Deckenmalerei).

1972 kam es dann zu einer umfassenden Kirchenrenovierung mit der Absicht, die ursprüngliche Gestalt weitgehend wieder herzustellen. Dies betraf auch die Wiederaufstellung des barocken Hochaltars. Anstelle der nun entfernten Marienstatue schuf WOLFRAM KÖBERL das heutige Altarbild nach alten Vorlagen, aber in der ihm eigenen freien Interpretation einer barocken Malweise. Vor dem Hochaltar wurde ein einfacher Volksaltar aufgestellt, die Deckenbilder wurden übermalt, ferner der rechte Seitenaltar entfernt und stattdessen über dem Taufstein eine vom Diözesanmuseum gestiftete barocke Gottvater-Figur angebracht. Der linke Seitenaltar erhielt mit dem noch vorhandenen barocken Kreuzigungsbild und den Statuen wieder sein früheres Aussehen. Im Dachboden des Pfarrhauses fand man damals viele Details aus der barocken Kirche, darunter den Namen Maria mit Sonne und Mond vom Hochaltar. Die feierliche Einweihung der Kirche wie auch des  Altares konnte am 17. Dezember 1972 begangen werden.

Am 21. September 1981 wurde die Kirche durch den verheerenden Großbrand, der vermutlich durch eine defekte elektrische Leitung im Dachboden zwischen Kirche und Krankenhaus ausbrach, stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Gewölbe stürzte ein, von der Ausstattung fiel nicht nur wertvolles Sakristei-Inventar den Flammen zum Opfer, schwer beschädigt bzw. zerstört wurden auch Teile der Einrichtung, die alte Gottvater-Figur und der hl. Johannes vom Taufbecken, ebenso Volksaltar und Ambo, das Kirchengestühl und die Orgel. Erhalten geblieben waren der Hochaltar sowie der linke Seitenaltar. Der noch im Winter 1981/1982 begonnene Wiederaufbau der Kirche, bei dem Dachstuhl und Gewölbe rekonstruiert wurden, erfolgte nach Plänen von Prof. CLEMENS HOLZMEISTER (1886 – 1983), der damit sein letztes Werk schuf. Am Patroziniumsfest, dem 8. Dezember 1983, konnte nach Abschluss der großen Restaurierung in der Pfarrkirche wieder der erste Gottesdienst nach der Brandkatastrophe gefeiert werden.

Am 29. September 1985 erfolgte die Weihe der neuen Orgel auf der Südempore. 1992 wurde die Kirche neu ausgemalt, 2004 erhielt sie eine neue Kirchenheizung. Im Jahr 2009 wurde die südseitige Eingangsstiege erneuert. Im Zuge dieser Baumaßnahme schuf man auch einen barrierefreien Zugang in die Pfarrkirche.

Außenbau und Fassade

Die Kirche war bis zum Brand 1981 über die Empore an der Südwestecke direkt ans Krankenhaus – an das historische Missionshaus, in dem die interne Abteilung untergebracht war – angebaut. Erst seither steht die Kirche frei, wobei nun die Fassade als eigentliche Schauseite der Kirche auch beim Blick von Süden besser zur Geltung kommt. Freilich lässt sich heute, nach dem Abbruch der Missionsstation und angesichts der neuen umliegenden Bebauung, der ursprüngliche Eindruck des frei über der Talsohle stehenden Gesamtkomplexes als „Bollwerk des Glaubens“ nur noch erahnen.

Die vorschwingende Westfassade der Schwarzacher Kirche erinnert an römische Vorbilder und an österreichische und süddeutsche Kirchenfassaden. Über einen Konglomeratsockel erhebt sich die markant durch Pilaster und Gesimse gegliederte Fassade, deren Mitte konvex ausschwingt und durch Marmorportal und Glockenfenster klar betont wird. Auch der Volutengiebelaufsatz über dem Dachansatz führt die Schwingung fort. Im Osten erhebt sich der Turm, der die Pilastergliederung der Fassade aufnimmt und von einem Zwiebelhelm abgeschlossen wird.

Nicht zum ursprünglichen Barockbestand gehört der erst nach dem Brand von 1981 entstandene Anbau im Süden. Noch ein Wort zu den Glocken: Im Jahr 1942 mussten die alten Glocken abgenommen werden, da sie mit Ausnahme der kleinsten Glocke für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden. 1949 gab man bei der Fa. Friedrich Hamm & Co in Salzburg-Parsch drei neue Glocken (Töne es, g b) in Auftrag. Am 3. Oktober 1950 konnten diese geweiht und auf dem neu errichteten Glockenstuhl aufgezogen werden: 1. Große Glocke (Gewicht 1060 kg),  geweiht der unbefleckten Muttergottes und dem hl. Vinzenz von Paul; 2. Mittlere Glocke (606 kg), geweiht dem hl. Erzengel Michael und dem hl. Georg; 3. Kleine Glocke (252 kg), geweiht dem hl. Joseph.

Das Innere – ein kunstgeschichtlicher und spiritueller Rundgang

Durch das Südportal betritt der Besucher zunächst den Erweiterungsbau von 1983, in den der Aufgang zu einer Marienkapelle und zur Sängerempore sowie der Durchgang zur Sakristei integriert ist.

Der saalartige Kirchenraum über dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes mit zweijochigem Langhaus, einem seichten Querschiff und dem daran anschließenden Chor wurde 1982/83 weitestgehend nach dem ursprünglichen Bau wiederhergestellt (Raumlänge ca. 32 Meter, Breite ca. 17 Meter). Das Gewölbe und die heute leeren Stuckspiegel wurden hingegen rekonstruiert.

Die Dynamik der schwingenden Fassade setzt sich auch im Inneren mit abgerundeten Wänden fort und verleiht so dem schlichten, nur durch Wandpilaster und Gesimse gegliederten Kirchenraum eine zurückhaltende Eleganz, die den Betrachter auf das Wesentliche der Ausstattung hinlenkt. Die seit der Bauzeit im 18. Jahrhundert mehrfach veränderte und gewachsene Inneneinrichtung wurde aufgrund des Brandes von 1981 in den Folgejahren restauriert und ergänzt (vgl. dazu die Baugeschichte).

Hochaltar

Das Hauptaugenmerk der Schwarzacher Kirche bildet der barocke Säulenhochaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, der mit seinem geschnitzten Vorhang beinahe den gesamten Altarraum ausfüllt. Im Zuge seiner Neuaufstellung 1972 schuf der Innsbrucker Maler WOLFRAM KÖBERL über dem barocken Tabernakelaufbau das Altarblatt, in dem er das

Patrozinium der unbefleckten Empfängnis Mariens mit der Geschichte der Schwarzacher Kirche verbunden hat. Unterhalb der Jungfrau Maria (Immaculata) stellt Köberl die Patrone der in Schwarzach wirkenden Ordensgemeinschaften dar, den hl. Benedikt für die frühere Missionsstation und den hl. Vinzenz von Paul für die barmherzigen Schwestern, die bis heute in Schwarzach wirken. Vinzenz weist mit seiner linken Hand auf die Schwarzacher Kirche und das ehemalige Missionshaus hin (das Bild zeigt den Bauzustand vor dem Brand von 1981).

Bekrönt wird das Bild von einer Dreifaltigkeitsgruppe. Inhaltlich ordnet sich somit die Verehrung Marias und der Heiligen dem Glauben an den einen Gott in drei Personen unter und weist letztlich auf ihn hin.

Das Altardekor im Auszug verherrlicht in verschiedenen Symbolen das durch Gott gewirkte Heilshandeln Marias. Die Krone mit dem darunter befindlichen Schriftband „SALVE REGINA“ (Gegrüßet seist du Königin) preist Maria als Himmelskönigin, der Gott die Krone des ewigen Lebens verliehen hat. Oberhalb eines Marienmonogrammes finden sich Sonne und Mond, die durch Schriftbänder in ihrer marianischen Deutung erkennbar werden (vgl. Offb. 12,1). Links liest man „PULCHRA UT LUNA“ (Schön wie der Mond), rechts „ELECTA UT SOL“ (Erwählt wie die Sonne). Die flankierenden Engel stimmen dieses Marienlob ein. Auf den Fahnen ihrer Trompeten sind marianische Symbole zu finden, rechts das Marienmonogramm und links sieben rote Rosen. Die Rose unter den Dornen und die heilige Siebenzahl sind Hinweise auf die Jungfräulichkeit der Gottesmutter.

Altar und Ambo

Das Wort Gottes wird heute vor diesem Hochaltar am Ambo verkündet und am Zelebrationsaltar Eucharistie gefeiert. Zelebrationsaltare und Ambo wurden nach Entwürfen von Diözesanarchitekt Mag. PETER SCHUH gestaltet und am 8. Dezember 1983 geweiht.

Taufbecken

In der südöstlichen Querhausrundung befindet sich seit 1972 mit dem Taufbecken das Eintrittsportal in den christlichen Glauben.

Ursprünglich befand sich hier der Altar des hl. Benedikt und seit 1894 ein Josefsaltar, dessen Statue sich noch als Konsolfigur beim südseitigen Durchgang zum Anbau erhalten hat.

Das 1942 aus rotem Marmor gefertigte runde Becken wird von einem hölzernen Deckel bekrönt, dessen zentraler Aufsatz einem Pinienzapfen ähnelt. Der Kreis als Zeichen der Ewigkeit Gottes erinnert hier an den durch die Taufe geschlossenen Bund zwischen Gott und Mensch. Der Pinienzapfen gilt in der christlichen Symbolik als Zeichen der Fruchtbarkeit und Lebensspendung. Was der Mensch durch die Taufe an Gnaden bekommt, soll im Leben reiche Frucht bringen.

An der Wand hinter dem Becken hängt eine geschnitzte Halbfigur von Gottvater und dem Heiligen Geist, umgeben von Engeln und Strahlenkranz.